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Dass Bakterien mit der Zeit gegen Antibiotika resistent werden, kann vom Grundsatz her, kaum verhindert werden. Solange sie dies langsamer tun, als neue Medikamente entwickelt werden können, wäre das Problem zumindest theoretisch hinnehmbar. Doch schon seit Jahrzehnten werden viel zu wenig neue Antibiotika entwickelt und viele der großen Pharmafirmen haben sich aus der teuren Forschung zurückgezogen.

Medikamente, etwa für chronisch Kranke, bringen sehr viel mehr Geld ein. Antibiotika dagegen sind weniger lukrativ, denn sie werden in der Regel nur für kurze Zeit verabreicht. Wenn wir auch in Zukunft noch wirksame Antibiotika zur Verfügung haben wollen, muss, neben der sorgfältigeren und selteneren Verschreibung der schon vorhandenen, auch die Forschung nach neuen Medikamenten vorangetrieben werden. Ein Problem in der Entwicklung neuer Antibiotika ist auch, dass häufig nicht nach ganz neuen Antibiotikaklassen gesucht wird, denn dies ist aufwendig und führt in vielen Fällen in Sackgassen. In der Regel werden schon bestehende Präparate “lediglich” modifiziert. Dadurch wirken die Medikamente gegen resistent gewordene Bakterien zwar zunächst wieder – aber diese Lösung währt nur kurz, denn die Bakterien entwickeln schnell neue Resistenzen. Erforderlich ist deshalb vor allem die Suche nach ganz neuen Wirkstoffen.

Ärzte und Wissenschaft sind sich einig

Experten aus Gesundheits- und Wirtschaftswissenschaften sind sich daher einig, dass sich in diesem Fall nicht auf die Selbstregulierung des Marktes allein verlassen werden darf.

Wichtig ist es außerdem, bei den wenigen neu entwickelten Antibiotika, die in den nächsten Jahrzehnten hoffentlich zur Verfügung stehen, nicht die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen und sie unreguliert auf den Markt zu bringen. Vor allem ganz neue Antibiotika müssten trotz aller Euphorie besonders zurückhaltend eingesetzt werden, um einen „Rüstungswettlauf“ zwischen Medikament und resistent werdenden Bakterien nicht noch unnötig anzufächern.

Neuartige Konzepte

Es gibt auch andere Ansätze, der Antibiotikakrise zu begegnen. Einige Forschergruppen versuchen etwa, mit speziellen Enzymen oder Botenstoffen gezielt Resistenzen der Bakterien »auszuschalten«, so dass die vorhandenen Antibiotika wieder besser wirken können. Auch der Einsatz von Bakteriophagen, also Viren, die Bakterien angreifen, wird erforscht. Auch Nanopartikel könnten möglicherweise gegen bestimmte Krankheitserreger eingesetzt werden.

Wann und ob solche völlig neuartigen Konzepte jedoch tatsächlich zur Behandlung erkrankter Menschen eingesetzt werden können, ist noch völlig offen. Das heisst, der zurückhaltende und rationale Einsatz der vorhandenen Antibiotika ist zur Zeit der einzig realistische Weg, dem Problem der bakteriellen Resistenzentwicklungen wirkungsvoll zu begegnen.